Fabian oder Der Gang vor die Hunde Die Zeit ist mit den Engeln böse
Mo, 06.07. | 1:20-2:05 | ARTE
Serie/Unterhaltung, 2022
Erich Kästners Roman, interpretiert von Dominik Graf, mit Tom Schilling in der Hauptrolle.
Der gebürtige Dresdener Jakob Fabian (Tom Schilling) hält sich in der Metropole Berlin als Reklametexter über Wasser. Dort verliebt er sich in Cornelia Battenberg (Saskia Rosendahl). Doch die Liaison steht unter keinem guten Stern.
Regisseur Dominik Graf interpretiert Erich Kästners Roman "Fabian", der 1931 publiziert und später durch die Nationalsozialisten verboten wurde.
Fabian oder Der Gang vor die Hunde: Die nymphomane Zuhälterin Irene (Meret Becker) versucht Fabian (Tom Schilling) zu verführen. Sie laufen sich in Berlin immer wieder über den Weg. Bild: Sender / Hanno Lentz / Lupa Film / ZDF / ARTE
Geschmeidig mündet die sanfte Kamerafahrt durch das U-Bahn-Gewölbe am Heidelberger Platz in das Jahr 1931. Während die Fragilität der Weimarer Republik unübersehbar geworden ist, leiten der Niedergang von Moral, Anstand und Politik den europäischen Untergang ein. So sieht es zumindest Jakob Fabian, ein promovierter Germanist, der als Texter für die Reklame einer Zigarettenfirma gerade so das nötige Kleingeld für eine Berliner Bruchbude aufbringen kann. Doch statt dem anstehenden Wandel kämpferisch entgegenzutreten, zieht es Fabian vor, sich in der Berliner Unterwelt zwischen Nachtclubs, illegalen Kneipen und Etablissements einen Rückzugsort zu schaffen.
Kühl und distanziert steht Fabian als stiller Beobachter abseits eines Lebens, das in Ungewissheit schwebt. An seiner Seite ist sein bester Freund und regelmäßiger Begleiter Labude, den Fabian nach seiner Rückkehr von einer Reise überzeugt, seine Habilitationsschrift einzureichen.
Als sich die beiden Freunde wieder ins Berliner Nachtleben stürzen, erfährt Fabian, dass Labudes Reise nicht ohne Folgen geblieben ist. Kurz vor seiner Hochzeit entlarvte Labude in Hamburg eine Affäre seiner Verlobten und kämpft nun einen inneren Konflikt zwischen Vergebung und Abschied. Noch am gleichen Abend endet ein Seitensprung Labudes in einer Kneipenschlägerei. Indessen nutzte Fabian die Gelegenheit, sich der selbstbewussten Cornelia Battenberg anzunähern, die als Justiziarin in einer Berliner Filmproduktionsgesellschaft arbeitet. Schlussendlich erliegt Cornelia seinem Werben und verliebt sich genau wie Fabian Hals über Kopf.
In einer Hommage an die Filmkunst zeichnet Dominik Graf exzellent eine atmosphärische Momentaufnahme der dreißiger Jahre und wird Erich Kästners literarischem Meisterwerk mehr als nur gerecht. Subtil werden dem Zuschauer die ausgehende Gefahr von Politikverdrossenheit und dem verlorenen Glauben an Moral und Anstand vergegenwärtigt, die keineswegs an Bedeutung verloren hat. Nicht umsonst zieht Dominik Graf bereits mit dem ersten Bild Parallelen zum Jetzt und mahnt das schleichende Wachstum der Rechten ausgeklügelt an.
Darsteller:
Tom Schilling (Jakob Fabian)
Albrecht Schuch (Stephan Labude)
Saskia Rosendahl (Cornelia Battenberg)
Meret Becker (Irene Moll)
Aljoscha Stadelmann (Makart)
Regie: Dominik Graf
Drehbuch:
Dominik Graf
Constantin Lieb
Kamera: Hanno Lentz
Musikalische Leitung:
Sven Rossenbach
Florian van Volxem
in Outlook/iCal importieren