Science Arena Unter Druck

Mo, 14.09.  |  16:05-17:00  |  Ö1
Neue Ansätze in der psychotherapeutischen Behandlung junger Menschen: These trifft auf Erfahrung

Psychische Gesundheit junger Menschen: Wann wird aus Stress eine Krise?Mit 14.September beginnt in ganz Österreich wieder die Schule. Für viele Kinder und Jugendliche bedeutet das nicht nur ein Wiedersehen mit Schulkolleg:innen, sondern auch Leistungsdruck, soziale Erwartungen und psychische Belastungen. Elisabeth Scharang setzt in dieser neuen Folge von „These trifft auf Erfahrung“ die wissenschaftliche Datenlage zur psychischen Gesundheit junger Menschen dem Erfahrungswissen junger Betroffener gegenüber.Rund ein Siebtel aller Kinder und Jugendlichen in den 53 Ländern der WHO-Region Europa lebt mit einer psychischen Erkrankung. Das sind an die 30 Millionen junge Menschen. Wie liest man diese Zahlen? Was sagen sie genau über das psychische Wohlbefinden aus? Auch wenn aktuelle Befragungen eine leichte Stabilisierung zeigen, geht es jungen Menschen unter 25 deutlich schlechter als älteren. Besonders betroffen sind Mädchen und junge Frauen: Rund jedes vierte Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren lebt laut WHO mit einer psychischen Erkrankung. Gleichzeitig erreichten unfreiwillige psychiatrische Unterbringungen Minderjähriger in Österreich 2025 den höchsten Stand seit Beginn des aktuellen Beobachtungszeitraums 2019.Dr. Sabine Völkl-Kernstock, Psychologin an der Ambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie im AKH Wien,beschäftigt sich in Forschung und klinischer Praxis mit psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Sie hat einen Erste-Hilfe-Kurs für psychische Gesundheit entwickelt, in dem Schüler:innen niederschwellig lernen, mit starken Gefühlen und Krisen umzugehen. Sie warnt davor, jedes starke Gefühl vorschnell als Krankheit zu verstehen: Entscheidend ist, wann Angst, Wut, Niedergeschlagenheit oder Überforderung den Alltag dauerhaft einschränken. Wenn man aus dem psychischen Ausnahmezustand aber nicht herauskommt, wer hilft dann?Hannah Frisch und Patrick Baranyai wissen aus Erfahrung, wie langwierig der Weg zu einer Diagnose sein kann. Die beiden engagieren sich im Verein Change for the Youth, einem Zusammenschluss junger Menschen mit psychischen, teils chronischen Erkrankungen. Der Verein setzt sich für die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen, mehr Kassenplätze für Psychotherapie und eine bessere psychosoziale Versorgung ein. Ihre zentrale Frage an die Politik: Warum müssen junge Menschen oft erst in eine schwere Krise geraten, bevor sie ausreichend Hilfe bekommen?Ausgangspunkt des Gesprächs ist das österreichweite Mental-Health-Projekt „Gesund aus der Krise“. Seit 2022 haben mehr als 57.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene das kostenlose Angebot in Anspruch genommen. 15 Beratungs- bzw. Behandlungseinheiten werden finanziert, Unterstützung wird in 27 Sprachen angeboten. Zeigt der große Zuspruch, dass ein Paradigmenwechsel gelungen ist und gerade junge Menschen viel früher und offener darüber reden, wie es ihnen geht? Und konnte das Projekt eine Versorgungslücke schließen?

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