Spielräume Spezial Wiener Lässigkeit: Georg Danzer

So, 04.10.  |  17:10-17:55  |  Ö1
Zum 80. Geburtstag des 2007 verstorbenen Austropop-Pioniers Georg Danzer

Georg Franz „Schurli“ Danzer: Dem am 7. Oktober 1946 in Wien geborenen und 2007 60-jährig verstorbenen Musiker war kein „Übernachterfolg“ beschert. Der Sohn eines Beamten trampte nach der Matura einige Monate durch Europa, wurde an der Akademie der bildenden Künste Wien abgelehnt und begann zögerlich ein Philosophie- und Psychologiestudium. Viele Jahre schrieb er vor allem für andere Sängerinnen und Sänger wie Marianne Mendt oder Wolfgang Ambros. Am ersten Boom des Austropop Anfang der 1970er Jahre konnte er als Solokünstler noch nicht wirklich partizipieren. Erst mit der Single „Jö schau“ und dem makellosen Album „Ollas leiwaund“ konnte er sich ab 1975 als Star des Austropop etablieren.Es soll nicht verschwiegen werden, dass Georg Danzer diese Genrebezeichnung nicht mochte. Wahrscheinlich konnte er eher etwas damit anfangen, in der Tradition eines Gerhard Bronner genannt zu werden, mit Bronners genialen Liedern wie dem cinemaskopischen „G’schupften Ferdl“, welchen Helmut Qualtinger kongenial interpretierte. Die beiden trafen sich 1968 in einer Fernsehsendung, bei der Danzer angab, Zeitungswissenschaften zu studieren, worauf Gerhard Bronner replizierte: „Junger Mann, satteln Sie beizeiten um zur Musik."Trotz aller Erfolge: Ein Megastar wie Wolfgang Ambros oder später Rainhard Fendrich konnte oder wollte der "Schurli“ nie werden, war aber den beiden Kollegen nicht zuletzt in ihrem gemeinsamen Projekt Austria 3 freundschaftlich verbunden. Für mich verkörperte keine andere Figur der österreichischen Szene Ironie, Leichtigkeit und Nonchalance so überzeugend wie Georg Danzer, der diese Attribute vor allem in seinem Frühwerk scheinbar mühelos aus dem Ärmel schüttelte. Und Danzer besaß für dieses Material auch die perfekte Stimme. Er war der österreichische Ray Davies. Vielleicht konnte ich mich deshalb nicht so erwärmen für die engagierte Ernsthaftigkeit, die Danzer besonders in seinem späteren Werk an den Tag legte. Das ist natürlich keine Kritik an Georg Danzers bemerkenswertem sozialen Engagement: Unter anderem übernahm er für zwei Jahre den Vorsitz der 1992 gegründeten Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch und engagierte sich dort gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.2007 verstarb der ehemalige Kettenraucher „Schurli“ – seine 1972 erschienene legendäre Single „Der Tschik“ hatte möglicherweise einen realen Background aus finanziell dürren Zeiten – an Lungenkrebs. Auf ein Ehrengrab der Stadt Wien hatte Danzer schon vorab verzichtet. Seine Asche wurde, seinem Wunsch entsprechend, vor der Küste Mallorcas dem Meer übergeben.

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