#doublecheck – das Ö1 Medienmagazin Wohin der ORF jetzt steuert

Do, 18.06.  |  18:25-18:55  |  Ö1
Clemens Pig ist neuer Generaldirektor des ORF ab 2027, an der Kompetenz des Medienmanagers für diesen Posten zweifelt niemand. Aber wie die Bestellung Pigs – wie erwartet mit der Mehrheit der ÖVP- und SPÖ-nahen Freundeskreise und nach entsprechender Begleitmusik im Vorfeld – abgelaufen ist, das hängt dem neuen ORF-Chef jetzt nach. Mit Spannung wird erwartet, welches Team Pig präsentieren und ob er damit auch einen parteipolitischen Befreiungsschlag wagen wird. Die Herausforderungen sind riesig: Es gilt ein Finanzierungsloch von fast 100 Millionen Euro zu stopfen und Problemfälle etwa bei ORF III zu lösen.

Bis Mitte Juli läuft die Bewerbungsfrist für die vier Direktionen, die dem Alleingeschäftsführer und Generaldirektor untergeordnet sind. Auch die neun Landesdirektionen sind zu besetzen. Die einzige Vorgabe, die er sich selbst mache, sei ein ausgeglichenes Verhältnis von Frauen und Männern, hat Clemens Pig gesagt. Daran wird er gemessen werden. Der Stiftungsrat wird an jenem Bild gemessen, das die Pig-Bestellung abgegeben hat: Ein abgekartetes Spiel, das durch eine geradezu übergenaue Einhaltung der neuen Regeln nach dem Europäischen Medienfreiheitsgesetz kaschiert werden sollte. Die Rufe nach eine Radikalreform des Gremiums – auch aus dem Stiftungsrat selbst – sind nicht mehr zu überhören. Der Redakteursrat fordert es seit Jahren: Schluss mit dem Parteien-Einfluss. Verkauft für das DoppelbudgetEin Droh-Szenario aus den Koalitionsverhandlungen von FPÖ und ÖVP von Anfang 2025 ist wahr geworden, umgesetzt von der Dreierkoalition für das Doppelbudget 2027/28: Dem ORF werden die Mittel, die er als Kompensation für den verlorenen Vorsteuer-Abzug aus dem Budget erhalten hat, gestrichen. Das sind konkret 93 Millionen Euro, und das jedes Jahr. Rund 15 Prozent der Einnahmen, über die der ORF verfügen kann, weil sie nicht fix gebunden sind – mit diesem Kürzungsplan sind die Freiheitlichen damals in die Verhandlungen gegangen, deren Ziel ist die radikale Schrumpfung des ORF. Stichwort „Grundfunk“. Wie diese Kürzung gestemmt werden soll, ist völlig offen. ORF-Finanzchefin Eva Schindlauer skizziert, was ab 2027 bevorsteht.Gekaufte Sendungen für ORF IIIDie Vorwürfe gegen ORF III treffen den Öffentlich-Rechtlichen in einer heiklen Phase und wiegen schwer. Der Kultur-Spartensender soll jahrelang Dokumentationen in sein Programm genommen haben, die etwa von den ÖBB, dem Donauinselfest oder dem ÖVP-Bauernbund bezahlt worden sind, ohne das auszuschildern. „Es waren Imagefilme und Werbeflächen, die nicht als solche gekennzeichnet waren“, sagt Investigativjournalist Michael Nikbakhsh vom Podcast „Die Dunkelkammer“. Jetzt liegt auch diese Causa bei der Compliance-Stelle im Haus, die amtierende ORF-Chefin Ingrid Thurnher -früher Chefredakteurin von ORF III – kümmert sich auch persönlich um den Fall. Wie groß ist das Problem rund um sogenannte Produktionskostenzuschüsse? #doublecheck hat nachgefragt. Moderation und Gestaltung: Rosanna Atzara und Stefan Kappacher

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