#doublecheck – das Ö1 Medienmagazin Die letzte journalistische Meile

Do, 06.08.  |  18:25-18:55  |  Ö1
Im Westen ist dieser Tage ein neuer großer Player auf dem Medienmarkt entstanden. Die Vorarlberger Russmedia hat die Tiroler Moser Holding übernommen, die Wettbewerbsbehörde hat den Deal genehmigt. Die Branche blickt gespannt auf das, was kommt. Rationalisierung ist angesagt, zumal in Krisenzeiten. Und Beobachter stellen sich auch die Frage, was diese neue Welle an Medienkonzentration für Neugründungen bedeutet, die derzeit bei den Förderungen meist noch durch die Finger schauen und denen die Großen kaum Luft zum Atmen lassen. Dabei zeigen gerade innovative Lokalmedien, wie Journalismus der Zukunft gehen kann.

Ob das „GanzGraz“ in der steirischen Landeshauptstadt ist oder „Zwischenbrücken“, das Online-Medium für den zweiten und den zwanzigsten Bezirk in Wien – oder „Dolomitenstadt“ in Lienz, ein digitales Lokalmedium, das sage und schreibe schon 17 Jahre ohne jegliche Förderung existiert: Glaubt man den Medienwissenschaftern, dann sind solche Projekte die Zukunft des Journalismus. Nah an den Ereignissen, im engen Austausch mit dem Publikum und im besten Fall auch kritisch gegenüber den lokal Mächtigen. Jedenfalls ein Kontrast zu den Gratis-Bezirksblättern, die die lokale Ebene in Österreich dominieren und spannenderweise im Eigentum von zwei großen Medienhäusern stehen: der Styria und der Moser Holding, die jetzt dem Vorarlberger Monopolisten Eugen Russ gehört. Innovative Lokalmedien im NachteilDas Fördersystem ist auf die Großen zugeschnitten, und das monatelange Tauziehen mit den Gratisblättern um die neue Zustellförderung zeigt, wie sehr. Die als Regionalmedien Austria (RMA) organisierten Gratis-Bezirksblätter hätten auch gern ein Körberlgeld gehabt, dabei zählen sie bereits zu den größten Nutznießern der Qualitäts-Journalismusförderung. Natürlich geht es da um Jobs, und die meisten Journalistinnen und Journalisten werden immer noch von den großen Häusern beschäftigt, zu denen eben auch die RMA gehört. Doch kleine Medien-Start-ups tun sich in diesem System schwer, sie sollen nach einer Neuordnung ab 2028 stärker berücksichtigt werden. Vorerst sind sie auf Schienen wie die Wiener Medien-Initiative und die Innovationsförderung der Wiener Zeitung angewiesen. Andere nennenswerte regionale Töpfe fehlen – trotz vollmundiger Bekenntnisse der Landeshauptleute.Der Platzhirsch röhrt jetzt noch lauterDie Übernahme der Moser Holding mit der „Tiroler Tageszeitung“ durch die Russmedia mit den „Vorarlberger Nachrichten“ und der „Neuen Vorarlberger Tageszeitung“ überschattet die Versuche, zarte lokale Medien-Pflänzchen zu setzen. Im Westen wird geklotzt und nicht gekleckert. Der Deal kommt für Medien-Experten nicht überraschend, die Verbindung zwischen beiden Häusern war immer schon eng. Der neue Mehrheitseigentümer Eugen Russ wird in Innsbruck rationalisieren, was das Zeug hält, so die allgemeine Erwartung. Die Redaktionen der Zeitungen müssen laut Wettbewerbsbehörde für mindestens sieben Jahre unabhängig bleiben, Personal sparen geht aber immer. Offiziell herrscht noch Stillschweigen, der Deal wird erst Ende August mit dem sogenannten Closing abgeschlossen.Gestaltung: Rosanna Atzara und Stefan Kappacher

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