Radiogeschichten Die Last des Unterwegsseins

Mo, 31.08.  |  11:05-11:25  |  Ö1
„Die Städte“ von Andreas Maier. Es liest Martin Vischer.

Mit sieben Jahren sitzt Andreas unglücklich auf der Rückbank des elterlichen Mercedes auf dem Weg in die Südtiroler Ferienwohnung. Rettung versprechen nur Asterix Hefte.Mit 13 entkommt er der Stadtführung durch Athen und findet das „Südländische“ in einer Bar, sieht sich gelangweilt „schöne“ Fotos aus Bangkok an, begeht in den italienischen Alpen doch nicht Selbstmord und erlebt, wie in Weimar die neuen Rechten zwischen den Touristenmassen aufmarschieren.Der deutsche Autor Andreas Maier geht in seinem autofiktionalen Roman „Die Städte“ erstmals auf Reisen. Und bleibt doch irgendwie in Friedberg in der Wetterau, seinem hessischen Heimatort. Von dort aus praktiziert er seit 2010 die „Ortsumgehung“ – ein mittlerweile mehrfach ausgezeichneter, auf elf Bände ausgelegter Romanzyklus über seine Familien- und Heimatgeschichte. Eine Selbsteinkreisung, beginnend mit „Das Zimmer“ bis zuletzt „Der Teufel"."Ich möchte mich einmal an den Punkt schreiben, an dem ich etwas über mein Leben, meine Heimat, meine Familie, die Zeit, in der ich gelebt habe, sagen kann“, sagte Maier in einem Interview mit der „Zeit“ beim Erscheinen des ersten Bands „Das Zimmer“ über das Langzeitprojekt. Die Kreise werden weiter, die Städte heißen im achten Teil nun Brixen, Athen, Bangkok – und doch wieder Friedberg in der hessischen Wetterau. Wenn Andreas Maier über Reisen schreibt, schreibt er über die Last des Unterwegsseins. Scheinbar wahllos und unruhig streift er durch die Jahrzehnte, mit einem Ich, dem nicht zu trauen ist, das sich Bernhard-haft grantelnd, ironisch, verzweifelnd Schneisen durch Begriffe wie „Heimat“ und „Damals“, Pauschaltourismus und Ortsumgehung schlägt.Gestaltung: Antonia Löffler, Zita Bereuter

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