Radiogeschichten Der Stoff der eigenen Herkunft
Do, 05.11. | 11:05-11:25 | Ö1
Die österreichische Schriftstellerin Sabine Scholl erzählt in ihrem autobiografischen Roman „Die zweite Haut“ von einer Frau, die sich aus den beengten Verhältnissen ihrer Kindheit herausarbeitet und ihrer Herkunft dennoch ein Leben lang verbunden bleibt. Sie berichtet vom Aufwachsen am Rand einer dörflichen Gemeinschaft, von Scham und sozialen Grenzen, von einer Mutter, die ihren Kindern kaum Nähe geben kann, und vom Schreiben als Möglichkeit, sich eine eigene Existenz zu erschaffen. Stoffe und Kleidungsstücke werden dabei zu Erinnerungsstücken: Sie erzählen von der Mutter, die näht, von Dingen, die die Erzählerin im Lauf ihres Lebens sammelt, und von Geschichten, die sie daraus webt. So entsteht ein vielschichtiges Porträt über den Wunsch nach Selbstbestimmung und die Frage, wie weit man sich von der eigenen Herkunft lösen kann, wenn sie sich längst in die eigene Sprache, den Körper und das Denken eingeschrieben hat. Sabine Scholl wurde in Oberösterreich geboren und studierte in Wien. Sie lebte und arbeitete unter anderem in Aveiro, Chicago, New York, Nagoya, Berlin und Leipzig. Für ihre Romane und Essays wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Landeskulturpreis Oberösterreich 2019 und dem Literaturpreis der Stadt Wien 2022. Seit 2019 lebt und arbeitet sie wieder in Wien. „Die zweite Haut“ steht auf der Shortlist des Österreichischen Buchpreises 2026.
in Outlook/iCal importieren