Spielräume Freak Out!

Fr, 26.06.  |  17:30-17:55  |  Ö1
Musik aus allen Richtungen. Das Debütalbum der Mothers Of Invention wird 60

Ursprünglich waren sie eine weiße kalifornische Cover-Band, die sich The Soul Giants nannte und R&B Songs nachspielte. Als aber einer der Musiker nach Unstimmigkeiten die Band verließ, luden sie einen Italoamerikaner namens Frank Zappa ein, den freigewordenen Platz als Gitarrist zu übernehmen, und der übernahm damit gleich auch das künstlerische Ruder der Band.Am Muttertag des Jahres 1965 gaben sie sich den neuen Bandnamen The Mothers und erspielten sich mit Zappas eigenen Songs bald eine treue Fangemeinde in der Underground-Szene von Los Angeles. Das machte den afroamerikanischen Produzenten Tom Wilson (gerade hoch im Kurs wegen seiner Arbeit mit Simon and Garfunkel und Bob Dylan) auf sie aufmerksam. Beim Plattenlabel Verve aber war man unzufrieden mit dem an „Motherfucker“ gemahnenden Bandnamen. Und so wurden – gemäß dem Sprichwort „Necessity is the mother of invention“ („Not macht erfinderisch“) aus The Mothers kurzerhand The Mothers of Invention. Und erfinderisch waren sie ohne Zweifel. Vor 60 Jahren, am 27. Juni 1966, erschien ihr bahnbrechendes Debütalbum „Freak Out!“, ein einflussreicher Meilenstein der Rockmusikgeschichte, der etwa auch die Beatles zu ihrem Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ inspirierte, und ein solider Grundstein für Zappas facettenreiche und produktive Karriere. Die Doppel-LP ist ein Konzeptalbum, das die Freak-Subkultur des kalifornischen Undergrounds nicht nur exemplifiziert, sondern gleichzeitig auch selbst aufs Korn nimmt, und enthält bereits alle Elemente von Zappas künstlerischem Lebenswerk: bitterböse Satire und groteske Blödelei, harte Gesellschaftskritik und rotzfreche Respektlosigkeiten, komplexe Songstrukturen und musikalische Querverweise, anspruchsvolle Arrangements und aufwändige Instrumentierung, innovative Gitarrensoli und experimentelle Soundcollagen – und das alles in einem eklektischen Stilmix von Doo-Wop bis Musique Conrète, der doch immer eine ureigene und unverwechselbare Handschrift aufweist.

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