Punkt eins Gesundheitskompetenz für alle

Di, 04.08.  |  13:00-13:55  |  Ö1
Wie man Barrieren in der medizinischen Versorgung und der gesundheitlichen Vorsorge abbaut. Gäste: Petra Haderer-Ho, Projektleiterin SANEAS – Gesundheitslots*innen, Volkshilfe Wien & Leila Ashabi, Gesundheitslotsin in Wien. Moderation: Marlene Nowotny. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Gesundheit ist mehr als nur Abwesenheit von Krankheit. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Gesundheit ein Zustand des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Also körperlich leistungsfähig zu sein, keine Schmerzen zu haben, ausgeglichen zu sein und Freude am Leben zu haben, soziale Kontakte zu pflegen und an der Gesellschaft teilzuhaben. Doch Gesundheit ist nicht nur aus individueller Sicht ein hohes Gut, auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive ist eine Gesellschaft, die möglichst gesund altern kann, erstrebenswert.Hier spielt die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung eine entscheidende Rolle, also die Fähigkeit, gesundheitsbezogene Informationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und auf die eigene Lebenssituation anzuwenden. Das reicht vom Wissen über gesunde Ernährung bzw. ungesunde Verhaltensweisen, über den Zugang zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen oder therapeutischen Angeboten. Hier zeigt sich etwa: Wer höher gebildet ist, verfügt meist auch über mehr Gesundheitskompetenz und hat eine längere Lebenserwartung. Das macht Gesundheitskompetenz bzw. Gesundheit per se zu einer Frage der Chancengleichheit, denn soziökonomische Faktoren wie Bildung und Einkommen werden in Österreich vererbt. „Ein gerechter und fairer Zugang zu Gesundheitsressourcen“ zählt zu den zehn Gesundheitszielen für Österreich, die bis 2032 den Rahmen für die heimischen Gesundheitspolitik darstellen.In Österreich haben viele Menschen eine mangelnde Gesundheitskompetenz. Die Erhebungen der vergangenen Jahre zeigen, dass das Wissen um Gesundheit und damit verbundene Maßnahmen bei der Hälfte der Bevölkerung zu gering ist. Eine gesellschaftliche Gruppe, die beim Zugang zu Gesundheitsdienstleitungen häufig mit erheblichen Hindernissen konfrontiert ist, sind Flüchtlinge bzw. Migrantinnen und Migranten. Dazu zählen Sprachbarrieren, fehlende Kenntnisse über die Gesundheitsstrukturen oder auch administrative Voraussetzungen.Wird die gesundheitliche Versorgung verzögert, belastet das nicht nur die Patientinnen und Patienten. Solche Verzögerungen können Krankheiten erschweren und verlängern und zu höheren Gesundheitskosten führen. Um die Gesundheitskompetenz von Migrantinnen und Migranten zu stärken, wurde in Österreich das gemeindebasiertes Unterstützungsmodell „SANEAS“ etabliert. Dabei kommen Gesundheitslotsinnen und -lotsen zum Einsatz: Freiwillige Personen mit Migrationserfahrung fördern die Gesundheitskompetenz anderer Menschen mit Migrationsbiografie. Dieses Projekt der Volkshilfe Wien wurde vor zehn Jahren ins Leben gerufen und nun wissenschaftlich evaluiert bzw. mit anderen vergleichbaren internationalen Projekten verglichen.Die Ergebnisse zeigen, dass durch dieses Unterstützungsangebot die Gesundheitskompetenz, die Kenntnis verfügbarer medizinischer Angebote, die Selbstbestimmung sowie das Vertrauen in die Gesundheitsversorgung zugenommen haben. Die Leiterin von „SANEAS“, Petra Haderer-Ho und die Gesundheitslotsin Leila Ashabi sind in dieser von Punkt eins Gäste bei Marlene Nowotny, um genau Einblicke in die Ausbildung und Tätigkeit der Gesundheitslotsinnen und -lotsen zu geben und über den hohen Stellenwert von Gesundheitskompetenz für die gesamte Gesellschaft zu sprechen.Rufen Sie in der Sendung an und reden Sie mit: Sie erreichen uns telefonisch unter 0800 22 69 79 während der Sendung. Oder schicken Sie uns Ihre Fragen und Wahrnehmung per E-Mail an punkteins(at)orf.at

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