Hörbilder Iolanda – Eine Poetin aus Sardinien
Sa, 08.08. | 9:05-10:00 | Ö1
Wer Iolandas Stimme einmal gehört hat, vergisst sie nicht: atmend, kratzig, ungebrochen lebendig. Über Jahrzehnte hinweg besprach die Poetin aus der Kleinstadt Guspini Tonbänder und Kassetten – mit Liedern, Gedichten und Erzählungen. Entstanden ist dabei weit mehr als ein privates Tagebuch: Es ist das akustische Gedächtnis einer Lebenswelt und Sprachkultur, die auf der Insel allmählich verschwindet. Das Sardische, eine der ältesten romanischen Sprachen, gilt heute als gefährdet.Iolandas Aufnahmen durchbrechen Zeitgrenzen und führen an die Orte ihres Lebens: an den Fluss, wo sie die Wäsche wusch, in ihr Häuschen am Rande von Guspini, ans Meer – und in die Sanddünen, zu jener Baumhütte, die sie gemeinsam mit ihrem Gefährten Efisio errichtete, um einen jahrhundertealten Wacholderbaum vor der Zerstörung zu bewahren. Ziviler Widerstand, lange bevor das Wort „Umweltbewegung“ in aller Munde war.Das Feature ist die Adaption des vielbeachteten sardischen Originals „Iolanda mi nant de nòmini“ („Iolanda nennen sie mich“) von Giorgia Cadeddu und Vittoria Soddu. Die unübersetzten sardischen O-Töne entziehen sich dabei bewusst dem eindeutigen Verständnis – die Bearbeitung gibt ihrem puren Klang Raum. So wird Zuhören zur Reise: Man versteht wenig und begreift doch alles.Produktion: Deutschlandfunk Kultur/SWR 2026
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