aspekte
Am 27. Oktober wählt Israel ein neues Parlament. Für welche Zukunft wird sich das Land entscheiden?
"aspekte"-Moderator Jo Schück trifft Kulturschaffende zwischen abgrundtiefer Verzweiflung und Hoffnung auf eine friedliche Zukunft.
Benjamin Netanjahus Hardliner-Politik in Gaza und im Westjordanland sowie die menschenverachtenden Äußerungen seiner rechtsextremen Minister haben Israel international zunehmend isoliert. Zuletzt ist sogar die Bundesregierung, traditionell der beste Freund Israels in Europa, auf Distanz gegangen und kündigte an, Sanktionen gegen den Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, zu unterstützen.
Aus der Kulturszene Israels kommt ein klares Signal: Helft uns! Israel stehe am Abgrund, sagen Künstlerinnen wie Comedian Noam Shuster-Eliassi. Sie ist im Friedensdorf Neve Shalom aufgewachsen, in dem jüdische und arabische Israelis zusammenleben. Sie appelliert eindringlich an die internationale Gemeinschaft und Deutschland, ernsthaften Druck auszuüben.
Auch der Street Artist Addam Yekutieli aka Know Hope hofft darauf. Er macht in der vom Hamas-Terrorangriff am 7. Oktober 2023 nachhaltig traumatisierten Bevölkerung eine erschreckende Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der Menschen in Gaza aus. Mit seinen Bannern, Schriften und Bildern im öffentlichen Raum versucht er, dieses ins Bewusstsein zu rufen.
In den Trümmern von Gaza versucht Gitarrist und Musiklehrer Ahmed Abu Amsha, die Traumata von Kindern zu lindern. "Meine Arbeit richtet sich gegen jede Gewalt – wir wollen nichts als Frieden und ein menschenwürdiges Leben."
Im Westjordanland kämpft der palästinensische Kulturaktivist und Träger des Alternativen Nobelpreises, Issa Amro, gewaltfrei gegen die israelische Siedlungspolitik und die Gewalt durch radikale Siedler, die ihn mit dem Tod bedrohen. Auch Deutschland müsse handeln, fordert er.
Ein Teil der israelischen Kunstszene unterstützt jedoch den Regierungskurs und den Ausbau der Siedlungen. Galerist Elhai Salomon aus Jerusalem zeigt sich unbeeindruckt von internationaler Kritik: "Israel ist ein starkes, selbstbewusstes, moralisches, mutiges Land. Ganz im Gegenteil: Die anderen Völker sollten von uns lernen!"
Die israelische Gesellschaft ist zutiefst zerrissen. Und doch gibt es Menschen mit Hoffnung und neuen Konzepten. Die Initiative "A Land For All" wirbt für eine neue Form der Zweistaatenlösung, mit einem freien Palästina in einer EU-artigen Konföderation mit Israel.
Und der Israeli Maoz Inon und der Palästinenser Aziz Abu Sarah gehen gemeinsam auf Friedenstour. Inons Eltern wurden von Hamas-Terroristen ermordet, Abu Sarahs Bruder starb nach Folter in einem israelischen Gefängnis. Jetzt erscheint ihr gemeinsames Buch auf Deutsch: "Die Zukunft ist Frieden". Ist das naiv? Oder schlicht der einzige Weg?
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