Michael Stix – Am PULS der Zeit

Michael StixNur weil Dr. Michael Stix, Geschäftsführung ProSiebenSat.1 PULS 4 Gruppe, kaum in seiner Kindheit Fernsehen durfte, heißt das noch lange nicht, dass er heute den Bildschirm nicht im Focus hat. Einer, den die Faszination TV nie loslassen wird, über die Zukunft der Branche: Privat-TV, Social Media, Second Screen, Netflix - und was die Glotze nach wie vor Spannendes zu bieten haben wird. Ein Talk. Vor Ort. Bild: Gerry Frank

Das Unternehmen: ProSiebenSat.1PULS4

„Wie gesagt, wir haben wirklich einen sehr kurzen Firmennamen: ,ProSiebenSat.1PULS4‘" – ein absolut juridischer Ausdruck eines Juristen. Ein nackter Fakt. Abseits einer Erfolgsstory, die sich mittlerweile gewaschen hat. Ich, der TVButler-Mann, steigt aus der U3-Station „Schlachthausgasse", 3. Wiener Bezirk, Richtung Neu Marx aus dem Schacht. Gleißendes Sonnenlicht und das Gefühl der schlichten Verlassenheit. Nachfragen nach der Destination Media Quarter hilft. Antwort: „Das ist ein schöner Hatscher. Nehmen's doch den 18er, fahren's um den Block zwei Stationen und gehen's dann runter."

Media Quartier Neu Marx in der Jacobi Gasse 3. Ein Projekt der zukunftsweisenden Media-Zukunft. Hier hat - neben anderen - die Firma „ProSiebenSat.1PULS4" seit mittlerweile zwei Jahren ihre geerdete Heimat gefunden.

Ich nähere mich dem Eingang, unübersehbar durch die Fülle der Senderlogos, nenne Namen und Beweggrund des Erscheinens. Ein freundlicher junger Mitarbeiter lebt die Kultur des Unternehmens: „Der Herr Rass wäre für den Michi da." Der Michi ist jovial gesagt schon eine große Nummer - und mit ihm möchte ich über die Zukunft des Fernehens sprechen ...

Abgeholt werde ich von seiner Mitarbeiterin, Frau Czipin. Die ist auch beim Gespräch mit dabei. Ja, so gehört sich das. Auf die Frage, ob ich schon einmal hier war, muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich all die neuen Studios noch nicht gesehen habe. Wir werden das im Anschluss nachholen.

Michael Stix, Dr. der Juristerei, mit ein paar special certificates, begrüßt mich freundlich. „Eigentlich habe ich mehr Fragen an Sie", so das einleitende Statement, was freut. Schließlich, nach Erklärung, dass wir ein TV-Guide im Internet sind, der sich auch der Barrierefreiheit verschrieben hat, die erste Frage:

Warum ist Fernsehen nicht schon längst tot?
Das ist wahrlich eine gute Frage. TV ist das Medium der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft - vor allem, wenn es sich die rasante Entwicklung von Online und Mobile zu Nutze macht. Denn TV ist mittlerweile zum Multiscreen-Medium schlechthin geworden. Seien wir doch statistisch gesehen ehrlich. Mittlerweile verfügt jeder Haushalt bei uns über mehr als fünf Bildschirme. Ob Fernsehen, Computer, Tablets oder Handys. TV und somit Bewegtbildwerbung bekommt laufend weitere Screens in den Haushalten dazu: Neue Möglichkeiten für den Content Anbieter - den Zuschauer/User und damit verbunden für die Werbeindustrie!

Das Fernsehen von heute, wie sieht es denn aus?
Auch wir erleben einen starken Boom in Richtung Bewegtbildwerbung in Österrreich. Unser Unternehmen trägt dieser Entwicklung stets Rechnung und positioniert sich auf allen Screens. Wir schauen uns die Trends der Zukunft ganz genau an. Wir freuen uns darüber, wenn wir nicht nur für den Konsumenten, sondern auch für die Werbewirtschaft stets neue Produktschienen in den Markt hieven. Nehmen Sie nur unsere letzten zwei Produkte, ProSieben MAXX Austria und SAT.1 Gold Österreich. Hier geht die Fragmentierung weiter in Richtung special interests.

Über Content, Live Events und Eigenproduktionen

Ich nehme an, auch bei Ihnen ist exklusiver Content King. Wenn Sie sich Ihr Unternehmen anschauen, wie schaut's da aus?
Bei PULS 4 haben wir mittlerweile täglich - das muss man sich ja im Mund zergehen lassen - gleich viel oder an manchen Tagen mehr österreichische Inhalte als etwa ORF eins. Gestartet wird mit Frühstücksfernsehen bis hin zu den PULS 4 News am frühen Abend und das alles im derzeit modernsten News-Studio des Landes, am letzten Stand der Technik. Für´s Kochen mit Oliver Hoffinger bis hin zur neuen Talk-Schiene. Natürlich setzen wir auch auf exklusive Packages im Bereich Film und Serie. Wir haben daneben im Sport die NFL, die äußerst erfolgreich in der Sonntag-Nachtschiene läuft und natürlich die Champions League.

Apropos Champions League: War Malmö (eleminierte Red Bull Salzburg in der Champios League Quali, Anm.) für Sie eine Tragödie?
Sportlich und persönlich ja. Ich bin ja gebürtiger Salzburger, und die haben zu Saison-Auftakt wirklich einen guten Fußball gespielt. Natürlich hätte es uns sehr gefreut, wenn wir die Gruppenphase von Salzburg hätten begleiten dürfen. Aber es hat auch etwas Gutes. Wir versuchen jetzt Bayern München bei der Spielauswahl zu favorisieren. Da ist ja David Alaba unser PULS 4-Testimonial. Und ich habe mich sehr gefreut, dass er in der EM-Qualifikation gegen Schweden das Tor geschossen hat.

Was Film und Serie betrifft, da kommt Netflix, ein amerikanischer Streaming-Anbieter, auf Sie zu. Wie sehen Sie die Chancen, wie die Risiken?
Tatsache ist, ein neuer Player betrat den Markt. Das belebt einerseits, andererseits habe ich schon den Eindruck, dass da ein bisschen publizistisches Sommerloch dabei war. Auch wir haben unseren Video on Demand-Dienst maxdome, immerhin der größte im deutschsprachigen Raum, weiterentwickelt: Mit neuem Design, neuen Produktwelten und neuem Content. Und das für nur 7,99 Euro im Monat.

Über Internet, Devices und Second Screen

Wird das Internet für das klassische, analoge Fernsehen schön langsam zur Gefahr?
Das Internet ist ein weiterer neuer spannender Distributionsweg von TV / Bewegtbildinhalten, sowohl linear als auch VOD. Durch neue Screens ist das lineare Fernsehen, starker als je zuvor und wird durch den Second Screen zusätzlich interaktiv.

Welche Abspiel-Möglichkeiten bieten Sie an, und gibt es da auch eigens produzierte Inhalte?
Nun ja, selbstverständlich bespielen wir jede Möglichkeit, ob Mobile oder Tablet, ob Mediathek. Und wir testen auch Serien, die wir vorher nur mittels streaming anbieten. Wir sehen, dass das ankommt. Die Menschen sprechen darüber, und wenn es dann im Fernsehen zu sehen ist, ist ein gewisses Vorwissen da - und die Leute kommen und schauen, eben auf dem großen Screen. Darüber hinaus produzieren wir jetzt für „Austria's Next Topmodel" gerade Fotostrecken und Video-Inhalte, die es nur im Web zu sehen gibt. Also Multiscreening hat höchste Priorität.

Unsere Erfahrung zeigt uns, das über die Kommunikation auf anderen Kanälen, als dem linearen Fernsehen durchaus die Neugier am Produkt geweckt werden kann. Wir verfolgen dies natürlich mit großem Interesse weiter.

Ihr Konkurrent ATV hat zu Jahresbeginn einen ähnlichen Weg eingeschlagen. Aber nicht lange ...?
Ich finde es schade, dass ATV das Projekt „Wien Tag Nacht" nicht positiv gelungen ist. Grundsätzlich sehen wir alle neuen Unternehmungen von Privatsendern als eine Bereicherung. Ich maße mir hier aber sicherlich nicht an über eine Entscheidung von ATV zu urteilen. Nicht wie man besonders in Österreich oft hört, das hamma schon immer gewusst, des hätten wir viel besser gemacht‘.

Vor knapp einem Jahr war Second Screen in aller Munde. Jetzt ist es ruhiger geworden. Eine Fehleinschätzung des Marktes?
Für die Gattung TV sehe ich Second Screen einen wichtigen "Next Step" in der Entwicklung. Als Info-Möglichkeit, was wird da gezeigt, falls ich nicht vom Beginn an dabei bin, wer spielt mit, lohnt es sich noch einzusteigen. In diesem Bereich sicher ein nützlicher Begleiter. Aus Werbekundensicht wird TV auch ein direktes Abverkaufsmedium neben seiner einzigartigen Image-Kraft. Die ZuschauerInnen können auf die Werbebotschaften direkt auf dem Second Screen reagieren, nachschauen, suchen bis hin zum kaufen/bestellen. Wir erleben gerade besonders viele Neukunden im Bereich E-Commerce. Im Schnitt investieren E-Commerce Firmen ca 70% ihrer Werbespendings in TV, ein mächtiger Beweis, dass TV wichtiger denn je zuvor ist!

Über Zukunft des Fernsehens, die ersten TV-Helden und wie kommt man überhaupt zum Fernsehen?

Wenn wir jetzt einen Blick in die Zukunft wagen, wie sieht sie aus, die Zukunft des TV?
Ich bin überzeugt, dass es viel mehr Bildschirme geben wird. Wie gesagt, schon jetzt verfügt jeder Haushalt über knapp fünf verschiedene Screens. Diese Zahl wird steigen. Wird noch stärker in den Alltag Einzug halten. Via Folien auf Möbel, Im Bad, in der Küche, auf der Mikrowelle, wenn Sie so wollen.

Sie sind ja erst sehr spät zum Fernsehschauen gekommen, mit sechzehn (!). Wer waren Ihre ersten TV-Helden?
(lacht) Das geistert ein Video-Kommentar von mir im Internet herum. Da muss ich wohl eine Google-Löschung vornehmen lassen. Ja, es stimmt. Ich komme aus einer Familie, wo Fernsehen kein besonderes Thema war. Einmal in der Woche durfte ich „Knight Rider " schauen und konnte somit nur einmal in der Woche in der Schulklasse mitreden, obwohl die Sendung jeden Tag im TV gelaufen ist! Das war uncool!

Wie sind Sie eigentlich zum Fernsehen gekommen?
Das hängt vielleicht auch mit dem früheren TV-Konsum zusammen. Natürlich hat mich dieses Feld immer besonders gereizt. Nach dem Studium bin ich dann über Umwege zur ProSiebenSat.1PULS 4 gekommen. Das war 2004 und das Jahr, in dem die digitalen Receiver auf den Markt kamen. Da war es meine erste Aufgabe, mit der Hardware Industrie für strategische Kooperationen in Verbindung zu treten. Also voll rein ins operative Geschäft. Damals waren wir 20 Leute, heute sind wir 300 in Österreich!

Zur Person

Michael Stix

Dr. Michael Stix ist Mitglied der Geschäftsführung der führenden österreichischen Privat-TV Gruppe ProSiebenSat.1 PULS 4. Er zeichnet für den gesamten Umsatzbereich verantwortlich. Von Bereiche Sales, Revenues, Distribution, Digital. Der promovierte Jurist ist seit 2004 für die TV-Gruppe tätig. Nach dem Abschluss des rechtswissenschaftlichen Studiums absolvierte Michael Stix zusätzlich zwei postgraduale Studien.

 

 

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