Sehen statt Hören Signmark - seine letzte Tour?!
Sa, 29.08. | 7:30-8:00 | RBB
Mehr als 20 Jahre stand Signmark als gehörloser Rapper auf Bühnen in aller Welt. Jetzt ist Schluss. Bei seiner Abschiedstour blickt er zurück auf Musik, Erfolge und sein Leben als Künstler. Doch warum hört er gerade jetzt auf? Und was kommt danach?
One last Time
Mehr als 20 Jahre stand Signmark als gehörloser Rapper auf Bühnen in aller Welt. Jetzt ist Schluss. Bei seiner Abschiedstour blickt er zurück auf Musik, Erfolge und sein Leben als Künstler. Doch warum hört er gerade jetzt auf? Und was kommt danach?
Marko Vuoriheimo, besser bekannt als Signmark, wächst in einer gehörlosen Familie auf. Seine Großeltern väterlicherseits sind hörend und sprechen keine Gebärdensprache. Schon als kleiner Junge vermittelt Marko zwischen beiden Welten, denn er kann sehr gut Lippen lesen. An Weihnachten übersetzt er so die Lieder seiner Großeltern für seine Eltern. "So begann meine Liebe zur Musik", erzählt er heute.
Ein Erlebnis ändert alles: In einer Diskothek gebärdet Marko zu einem Song und versucht, den Text zu übersetzen. Andere Gäste missverstehen seine Gesten - die Situation eskaliert, Marko wird verprügelt. Für ihn ist das ein klarer Wendepunkt. Warum weiter die Musik von Hörenden übersetzen? "Da mache ich lieber eigene Musik - mit meinen Gedanken", sagt er. Also beginnt er, selbst Songs zu schreiben.
Zunächst denkt Signmark an Pop. Doch Hip-Hop passt besser zu dem, was er erzählen will. Ihn fasziniert, dass Rap nicht nur unterhalten, sondern auch Missstände benennen kann. "Was damals der Protest Schwarzer war, sollte bei mir der Protest tauber Menschen werden", erklärt er.
In seinen ersten Songs geht es um Oralismus, das Verbot von Gebärdensprache, Diskriminierung und "Deaf Power". Auch eigene Erfahrungen aus seiner Schulzeit verarbeitet er. Und damit trifft er einen Nerv: "Bei meinem ersten Album und den Songtexten ging es ausschließlich um ,Deaf Power'. Das hat auch viele Hörende aufgerüttelt."
Der Weg nach oben beginnt allerdings ziemlich überschaubar: Bei einem seiner ersten Auftritte vor hörendem Publikum stehen gerade einmal 16 Menschen vor ihm. Acht davon arbeiten dort, die anderen sind Kinder - und nicht gerade begeistert.
Signmark zweifelt. Doch kurz darauf landet eine Mail in seinem Postfach: Ein Musikfestival will ihn buchen. Die Frau des Veranstalters hatte ihn bei genau diesem kleinen Auftritt gesehen. Eine Erfahrung, die hängen bleibt: Man muss seinem Publikum immer mit Respekt und vollem Einsatz begegnen. "Es ist also egal, ob es 16 Leute sind oder 16.000", sagt Signmark heute.
Was zunächst nur für ein oder zwei Jahre geplant war, wird zu einer internationalen Karriere. Eine Anfrage folgt der nächsten. Paris ist sein erster Auftritt im Ausland, danach kommen Island, Deutschland und viele weitere Länder. Signmark gibt schließlich seinen Job auf und setzt ganz auf die Musik.
Auch ein Wettbewerb sorgt für einen weiteren Schub. Signmark und sein Team landen auf Platz zwei - nur rund 3,1 Prozent trennen sie von den Gewinnern. Fast wichtiger als die Platzierung ist, was danach passiert: Die Presse stürzt sich auf ihn, ein Interview folgt dem nächsten, Fotografen stehen sogar vor seinem Haus. Für Signmark ist das der Moment, in dem er merkt: Sein Leben hat sich verändert.
Am Ende kommen rund 1.000 Auftritte in 59 Ländern zusammen. Manche Erlebnisse wirken bis heute nach: In Äthiopien fuhren junge Fans teilweise zwei Tage mit dem Bus, nur um ihn live zu sehen. Für Signmark gibt es dabei nicht das eine größte Erlebnis - sondern viele besondere Momente auf der ganzen Welt.
Mit dem Erfolg verändert sich auch Signmarks Blick auf seine eigene Arbeit. Was als Spaß und Party beginnt, bekommt eine größere Bedeutung. Nach einem Empfang beim damaligen finnischen Präsidenten wird er sogar zu den Vereinten Nationen nach New York eingeladen. Spätestens da wird ihm klar: Seine Musik ist auch Aufklärungsarbeit. Es geht um die Deaf Community, ihre Sprache und Kultur - und darum, Barrieren abzubauen.
Und Signmark merkt, dass er für andere längst mehr ist als nur ein Musiker. "Ich war also auch Role Model", sagt er. Menschen erzählen ihm, dass sich durch sein Beispiel auch für sie Türen geöffnet hätten. Genau das berührt ihn besonders. Er sieht auch, wie Kinder zu ihm aufschauen
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