Die Nordreportage: Kampf gegen die Uhr Lieferdienste im Großstadtstress
Di, 13.10. | 18:15-18:45 | NDR
Hamburg ist eine Stadt auf Empfang. Jeden Tag werden Tausende Pakete, Lebensmittel und Waren ausgeliefert: möglichst schnell, möglichst pünktlich und am besten direkt bis an die Haustür. Doch hinter jeder Klingel steht ein Mensch, hinter jeder Lieferung ein Zusteller.
"Die Nordreportage" begleitet drei Menschen im Großstadtstress: einen Paketzusteller in seinem Lieferwagen, eine Lebensmittellieferantin im Mini-Elektromobil und einen Fahrer auf dem Cargo-Bike.
Der Film begleitet seine Protagonisten von frühmorgens beim Beladen und Vorbereiten ihrer Touren bis zum Feierabend. Er zeigt Stress, Zeitdruck und körperliche Belastung, aber auch Humor, Improvisationstalent und überraschend persönliche Begegnungen. Denn eine erfolgreiche Lieferung ist weit mehr als ein Paket vor der Haustür. Das allgemeine Konsumverhalten hat den Alltag der Lieferdienste stark verändert. Der Zuschauer*innen blicken hinter die Kulissen einer Branche, die für viele selbstverständlich geworden ist. Hamburg lag zuletzt mit rund 60 Sendungen pro Kopf und Jahr an der Spitze der Bundesländer beim Sendungsaufkommen.
Thorsten Goldmann arbeitet seit vielen Jahren als Paketzusteller. Sein Tag beginnt früh im Zustellzentrum, wo Hunderte Sendungen auf ihn warten. Danach geht es raus in die Stadt. Enge Straßen, fehlende Parkplätze, Baustellen und dichter Verkehr kosten Zeit. Und wenn an der Haustür niemand öffnet, muss schnell eine andere Lösung her. Vielleicht nimmt ein Nachbar das Paket an. In manchen Mietshäusern entstehen so regelrechte private Paketstationen. Und manchmal hilft nur der Kiosk um die Ecke. Trotz aller Hektik erlebt Thorsten auch die schönen Seiten seines Berufs. Da sind die Menschen, die sich ehrlich über eine lang erwartete Lieferung freuen, sich bedanken oder ihm sogar ein Trinkgeld in die Hand drücken.
Nadin Grüning liefert Lebensmittel direkt bis vor die Wohnungstür. Drei bis vier Mal in der Woche ist sie mit einem kleinen Elektro-Lieferfahrzeug unterwegs. Bevor ihre Tour beginnt, werden die Bestellungen im Logistikzentrum zusammengestellt und die Kühlboxen gepackt. Danach zählt jede Minute. Zwischen parkenden Autos, Baustellen und Fahrradverkehr muss Nadin ständig improvisieren. Besonders auf großen Straßen fühlt sich ihr kleiner Elektro-Laster manchmal winzig an. Doch auch wenn die nächste Lieferung schon wartet, bleibt Zeit für persönliche Begegnungen. Gerade ältere Stammkundschaft freut sich über die regelmäßige Lieferung - und ein paar freundliche Worte an der Haustür.
Immer häufiger schlängeln sich elektrisch unterstützte Cargo-Liefer-Bikes in die Fußgängerzonen, Einkaufsstraßen und verkehrsberuhigte Bereiche, dorthin, wo klassische Lieferwagen oft nur schwer hinkommen, aber Fußgänger und Radfahrer andere Herausforderungen mit sich bringen. Besonders bei Regen ist höchste Konzentration gefragt.
Während die Lieferantinnen und Lieferanten den Arbeitsalltag auf Hamburgs Straßen meistern, schaut die "Nordreportage" auch auf eine mögliche Zukunft der Stadtlogistik. Jörg von Cölln betreibt eine kleine Hamburger Werft und hat ein altes Alster-Arbeitsboot auf vollelektrischen Antrieb umgerüstet. Mit der "Cöllni" testet er, ob Getränke und andere Waren künftig über Alster und Kanäle transportiert werden können. Bei einer Probefahrt zeigt sich, ob Hamburgs Wasserwege eine Alternative zu den oft verstopften Straßen sein könnten.
Autor: Boris Poscharsky
Redaktion:
Arne Siebert
Dirk Külper
Produktion: Thorsten Köpp
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