Die Toten im Moor
1959 entdecken Torfstecher bei Dätgen in Schleswig-Holstein die kopflose Leiche eines Mannes. Sein Kopf wird erst Monate später im Moor gefunden - drei Meter vom Leichenfundort entfernt.
Der Mann wurde nicht nur enthauptet, sondern auch erstochen und mit spitzen Holzpfählen fest im Moor verankert. Wer ist der Unbekannte aus der fernen Vergangenheit? Warum wurde er so grausam getötet? Und welche rituelle Bedeutung hatte seine Niederlegung im Moor?
Als die Moorleiche entdeckt wird, halten die Torfstecher sie zunächst für einen Tierkörper, doch schnell wird klar, dass es sich bei dem Fund um einen Menschen handelt. Leider wird die Leiche unter anderem bei der Ausgrabung und anschließenden Konservierung beschädigt. Immerhin ergibt die Radiokarbondatierung, dass der Mann von Dätgen in der sogenannten Römischen Kaiserzeit gestorben ist, irgendwann zwischen den Jahren 135 und 385 nach Christus.
Ein im Moor erhalten gebliebener Haarknoten könnte außerdem darauf hinweisen, dass er in seiner Gemeinschaft einen hohen Rang einnahm. Doch über die Hintergründe seiner brutalen Tötung lässt sich nur spekulieren: Hatte er sich unter seinen Leuten Feinde gemacht? Handelt es sich vielleicht sogar um ein Menschenopfer, um die Götter zu besänftigen? Und was haben seine Niederlegung im Moor, die Enthauptung und die spitzen Holzpfähle mit dem Glauben der damaligen Menschen und dem Mythos vom Wiedergänger zu tun?
Zwischen Mythos und Wissenschaft: Moorleichen erzählen von Gewalt, Ritualen und falschen Legenden. Moderne Untersuchungsmethoden liefern Hinweise auf Geschlecht, Alter, Datierung und Verletzungen.
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