37°: Die Zeit, die uns noch bleibt Film von Anabel Münstermann

Mo, 07.12.  |  23:45-0:15  |  3sat
Untertitel/VT Gebärdensprache Hörfilm/AD  Länge: 30 Min.

Eine Diagnose, die alles verändert: Wie erleben Menschen, die von ihrem baldigen Ende wissen, die Zeit, die ihnen bleibt? Und was bedeutet diese Erkenntnis für das eigene Leben?

Die "37°"-Reportage begleitet Martina (64) und Leon (28) und nimmt dabei auch die Perspektive der nächsten Wegbegleiter ein. Wie verändert sich ihre Beziehung zu ihren Angehörigen?

Martina (64) hatte ihr Leben nach der Trennung von ihrem Ehemann gerade wieder im Griff, als sie wegen heftiger Schmerzen in die Notaufnahme geht. "Der Arzt hat meine Hand genommen, der hat meine Hand festgehalten und gefragt, wann meine Tochter komme. Da dachte ich, ich werde bestimmt bald sterben, ich meine, der kannte mich ja nicht", berichtet Martina von diesem Moment im Krankenhaus. Den Kerntumor müsse man finden, aber der Metastasenbefall sei so groß, dass man hier nur noch palliative Therapiemöglichkeiten hätte. Martina sieht plötzlich die vielen Dinge vor ihrem geistigen Auge, die sie aus Angst immer aufgeschoben hatte, und nimmt sich vor: Ab jetzt wird sie all das tun, was früher unmöglich schien.

Beinahe täglich kommen neue Ideen, was sie noch machen möchte. Sie traut sich mehr, möchte Dinge klären, die zwischen ihr und ihren Freunden stehen. Sie denkt nicht mehr darüber nach, ob ihre offenen Worte bei den anderen vielleicht Irritationen auslösen werden. Und es vergeht kein Tag, den sie einfach so vergehen lässt. Sie will sich bewegen, das Leben spüren. Am liebsten noch einmal ans Meer.

Leon (28) ist vor zwei Jahren nach Innsbruck gezogen, um dort sein Masterstudium in Medizintechnik zu starten. Aber vor allem wählt er Innsbruck, weil er begeisterter Outdoorsportler ist. Trailrunning, Klettern, Rennradfahren. Hauptsache, so oft wie möglich raus in die Natur. Vor eineinhalb Jahren, beim Klettern in den Bergen verspürt Leon starke Schmerzen. Schmerzen, die nicht mehr weggehen. Kurz vor Weihnachten bringt seine Freundin ihn in die Klinik.
Die Diagnose: Lungenkrebs im Endstadium.

Nach ein paar Wochen, in denen der Schock sich legen musste, beschließt auch Leon, sich der Endlichkeit seiner Lebenszeit zu stellen. Er pausiert das Studium, versteht, dass er mit der Krankheit und den Nebenwirkungen der Chemo sportlich weniger machen kann und besinnt sich auf seine Kreativität. Er entwirft Siebdrucke für T-Shirts und eröffnet einen Online-Shop. "Ich wollte noch mal erleben, wie es ist, ein Business zu haben, Geld verdienen mit meinen Ideen und Produkten." Obwohl er körperlich schnell abbaut, lässt ihn seine Leidenschaft fürs Radfahren nicht ganz los. Zusammen mit seinem besten Freund Jannik unternimmt er, wann immer es geht, noch kleine Touren. Anstatt zum Schnorcheln nach Norwegen, geht es nun ins Allgäu, um die Natur zu erkunden, mit dem Rad oder zu Fuß. Leon blickt anders auf den Faktor Zeit und beschließt, jeden Moment auszukosten.

Leons Zustand verschlechtert sich. Er möchte aber noch möglichst viel von seiner Wunschliste umsetzen. Als Leon spürt, dass seine Lebenszeit abläuft, will er noch einmal mit seinen Lieblingsmenschen verreisen. Ob sich das realisieren lässt, wissen weder er noch seine Angehörigen.

"37°" begleitet zwei Menschen, deren Lebenszeit abläuft, auf ihren letzten Abenteuern, bei der Erfüllung ihrer ganz persönlichen Wünsche. Was bedeutet Leben für Martina und Leon unter diesen besonderen Umständen? Ein Film übers Leben.



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