Gedanken für den Tag Niederlagen in Siege verwandeln

Mi, 15.07.  |  6:57-7:00  |  Ö1
Erich Hackl, Schriftsteller, über Österreicherinnen und Österreicher im Spanischen Bürgerkrieg

Unter den österreichischen Freiwilligen, die im Spanischen Bürgerkrieg aufseiten der Republik kämpften, befanden sich 34 Frauen. Die meisten arbeiteten im Sanitätsdienst der Internationalen Brigaden. Aber eine von ihnen, Sofia Mach, kam als Dolmetscherin für einen sowjetischen Militärberater nach Spanien. Mach, die mit Mädchennamen Borzecki hieß, hatte in Wien gelebt, ehe sie nach dem Ersten Weltkrieg nach Argentinien auswanderte. Mit ihrem Mann und zwei Töchtern ließ sie sich Anfang der dreißiger Jahre in der Sowjetunion nieder. Im Juli 1937 geriet sie bei der Schlacht von Brunete in Franco-Gefangenschaft, wurde zum Tode verurteilt, dann zu 30 Jahren Haft begnadigt und in das Frauengefängnis Saturrarán, an der baskischen Atlantikküste, überstellt. Der Spanienkämpfer Hans Landauer, der es sich als Pensionist zur Aufgabe gemacht hatte, alle österreichischen Spanienfreiwilligen zu erfassen, musste aufgrund der horrenden Haftbedingungen davon ausgehen, dass Mach in Saturrarán oder einem anderen Zuchthaus umgekommen war. Aber Jahre später, als er seinen Lebensabend bereits bei seiner Tochter in Oberwaltersdorf verbrachte, fand ich heraus, dass die Frau nach ihrer Freilassung Anfang 1944 in die Sowjetunion zurückgekehrt war. Über ihr weiteres Schicksal war nichts zu erfahren. Aber zu wissen, dass Sofia Mach die Haftjahre wider alle Wahrscheinlichkeit überlebt hatte, war Landauer und mir trotzdem ein Grund zur Freude. Warum uns das so wichtig war? Weil sie verlorengegangen ist in den großen Kämpfen unserer Zeit, und weil man, auf der Suche nach den Verlorengegangenen, ihre Spuren in die Gegenwart legt. Um die Chance zu wahren, Niederlagen in Siege zu verwandeln.

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