Ö1 Kulturtalk Kultur, Festivals und Identität
So, 09.08. | 18:15-19:00 | Ö1
Die Idee von Österreich als Kulturnation hat tiefe Wurzeln, die bis in die Zeit der Monarchie und ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Kultur, das war nach 1866 auch der Ausgleich für realpolitische Einbußen auf dem Feld europäischer Machtpolitik. Aus Wien strahlte fortan die Staatsoper und gab dem Reich den prägenden Einfluss auf das zumindest kulturelle Weltgeschehen. Viele Opern konnten sich erst über die Vermittlung Wiens durchsetzen, man denke auch an die in diesem Sommer so präsente „Carmen“ von Georges Bizet.Die Idee, die Reputation Österreichs über die Kunst zu sichern und überregional ausstrahlende Festspiele zu organisieren, stammte aus dem Umfeld von Hugo von Hofmannsthal demensprechend noch aus den letzten Tagen vor Ende des Ersten Weltkriegs. Durchsetzen konnte man Festspiele in Salzburg schließlich erst in der Ersten Republik – und für das neue, kleine Deutsch-Österreich wurden die Festspiele in Salzburg nicht nur zur Verklärung eines österreichischen Sendungsgedankens in der Welt, sie wurden auch zum Zugpferd für die Klärung von Identitätsfragen. Eine österreichische Identität wurde über die Salzburger Festspiele eingeübt – und mit dem Bezug auf Europa grundiert. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs markierte nicht nur Salzburg den Anspruch Österreichs als Kulturnation – und die dementsprechende Überwindung von unangenehmen Mitverantwortungsfragen. Auch „Das Spiel auf dem See“ in Bregenz ist eine Nachkriegsidee einer werdenden österreichischen Nation, die die Kultur mitunter schneller wieder in Gang brachte als die Überwindung der Kriegsschäden.Im Lauf der Jahrzehnte wurden Kulturfestivals zum Ausweis und Garanten von Landesidentitäten. Nicht immer mussten diese direkt im Sommer stattfinden. Aber Festivals und Wahrnehmung von Bundesländern sind eng miteinander verzahnt. Über die Verbindung von Festivals und Landeskulturpolitik und über die Identitätssicherung via Kunst diskutiert der Leiter des ORF-Zeitgeschehens Gerald Heidegger mit der Journalistin und langjährigen Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid und mit der Leiterin des Festspielarchivs Margarethe Lasinger.Gestaltung: Gerald Heidegger
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