Terra X Harald Lesch
Lärm ist weit mehr als ein störendes Geräusch: Harald Lesch erlebt urbanen Krach, aber auch absolute Stille und zeigt, wie die Extreme uns krank machen, aber auch helfen können.
Ohne Schall keine Musik, aber auch kein Lärm. Laute Geräusche wie Straßenlärm können zur Gefahr werden, auch wenn wir sie bewusst kaum mehr wahrnehmen. Unser Gehirn bleibt nämlich aufmerksam und reagiert auf alles, was unsere Ohren erreicht. Mögliche Folge: Dauerstress.
Mitten in München liegt ein Ort, der den Schall nahezu vollständig verschluckt: eine anechoische Kammer. Die Stille in dem schalltoten Raum wirkt auf uns Menschen seltsam, doch für die Forschung hat die Kammer eine einzigartige Funktion: Hier können neuartige Hörgeräte entwickelt und getestet werden. Im schalltoten Raum lassen sich unter kontrollierten Bedingungen virtuell Situationen simulieren, in denen Hören zur Herausforderung wird - wie in einem Bahnhof. Einfahrende Bahnen, rotierende Rolltreppen, Schritte, Stimmengewirr schaffen ein lautes Konglomerat aus Geräuschen, die unser Gehör gezielt auseinanderhalten muss. Störende Geräusche werden dabei durch unser Gehirn ausgeblendet. Neue Technologien für Hörhilfen sollen diesen Effekt nachahmen und das in Zukunft auch leisten können.
Auch in Restaurants gibt es Situationen, die unser Gehör an die Grenzen bringen: Eine laute Geräuschkulisse und ein Gespräch mit unserem Gegenüber können zur Geduldsprobe werden, wenn das Gesagte ständig wiederholt werden muss. So geht die Stimmung kaputt, das Essen schmeckt nicht, und der Alkoholkonsum steigt. Lärm nimmt auf viele Lebensbereiche Einfluss, in denen man es nicht erwartet.
Deshalb gibt es in der Wissenschaft Bemühungen, Klangwelten zu gestalten. Wie soll sich eine lebenswerte Stadt anhören? Dieser Frage gehen Forschende in München nach. Nicht allein die Lautstärke entscheidet darüber, ob wir einen Ort als angenehm empfinden, sondern auch, was wir hören. Warum ist ein Presslufthammer für uns ein akustisches Desaster, während uns eine Amsel, die in ähnlicher Lautstärke singt, glücklich macht?
Harald Lesch schaut sich die Welt, in der wir leben, mit den Ohren an: im Straßenverkehr, bei einem Restaurantbesuch, in der Kirche beim Orgelspiel und in der akustisch so vielfältigen Natur. Was machen die unterschiedlichen Klangwelten mit uns?
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